Der Elefant im Raum: er beginnt mit E und wird immer größer

Größer könnte er fast nicht sein, der Elefant im Raum. Einsamkeit is everywhere.

Es ist an der Zeit für uns alle, hinzuschauen. Auch die Bundesregierung wacht langsam auf, wenn es um die institutionelle Erforschung und Bekämpfung von Einsamkeit geht. Das ist auch gut so, denn Einsamkeit betrifft nicht nur einzelne wenige, sondern kann massive gesellschaftliche Auswirkungen haben. Stichwörter: Gesundheitsprävention, Gender (Loneliness) Gap, Stabilisierung der Demokratie.

Letzte Woche erschien das erste Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung. Der im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und vom Kompetenznetz Einsamkeit erarbeitete Bericht beschreibt die Entwicklung von Einsamkeit in unserer Gesellschaft.

Nicht nur hier wird klar: In verschiedenen Gruppen stellt sich Einsamkeit unterschiedlich dar und hat viele Ursachen. Laut Aussage des Psychoanalytikers und Psychotherapeuten Udo Rauchfleisch können die Ursachen von Einsamkeit individuelle, gesellschaftliche und sogar globale Faktoren beinhalten. Ein Beispiel: verheiratete Menschen mit höherer Bildung und gutem Einkommen fühlen sich seltener einsam als alleinstehende Menschen mit wenig Bildung und wenig Einkommen.

Trotz der riesigen Dimension des Themas habe ich die wichtigsten Insights des Einsamkeitsbarometers zusammengefasst, durch wissenschaftliche Erkenntnisse angereichert und mit logotherapeutischen Impulsen verfeinert.

Einsamkeit ist zu groß, als dass wir wegschauen und -hören könnten.

Let’s read & lead!

 

IN A NUTSHELL

1. Einsamkeit ist ein weit verbreitetes und ernsthaftes gesellschaftliches Problem

Einsamkeit betrifft Menschen aller Altersgruppen und hat erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Auswirkungen. Besonders gefährdete Gruppen sind ältere Menschen, junge Erwachsene, Arbeitslose, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund. Es ist wichtig, das Thema nicht zu ignorieren, sondern aktiv Maßnahmen zur Prävention und Unterstützung zu ergreifen.

2. Einsamkeit ist eine subjektive Erfahrung – der auch gesellschaftliche Ursachen zugrunde liegen

Einsamkeit ist nicht dasselbe wie allein zu sein; sie ist ein subjektives Gefühl des Mangels an ausreichenden sozialen Beziehungen. Diese Diskrepanz zwischen den gewünschten und tatsächlichen sozialen Kontakten kann sich sowohl auf die Quantität als auch die Qualität der Beziehungen beziehen. Verstehen wir Einsamkeit als subjektive Wahrnehmung, können wir besser nachvollziehen, warum Menschen sich einsam fühlen, selbst wenn sie nicht allein sind. Die Ursachen für dieses Gefühl sind jedoch vielfältig und können neben individuellen, auch gesellschaftliche und gar globale Faktoren beinhalten.

3. Soziale Bindungen und gesellschaftliche Teilhabe sind zentrale Schutzfaktoren

Menschen mit starken sozialen Netzwerken und guter Bildung sind weniger von Einsamkeit betroffen. Während der Pandemie haben sich soziale Bindungen als besonders wertvoll erwiesen. Es ist entscheidend, soziale Kontakte zu pflegen und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern, um Einsamkeit entgegenzuwirken. Ein offenes Ohr und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit für einen Menschen können ein erster Schritt sein.

🔎 Aus der Praxis: Einsamkeit in Deutschland über zwanzig Jahre (1992 bis 2021)

Was genau ist das Einsamkeitsbarometer 2024?

Das Einsamkeitsbarometer ist eine Untersuchung der Langzeitentwicklung der Einsamkeitsbelastungen innerhalb der Bevölkerung (18 Jahre und älter) in Deutschland auf Basis repräsentativer Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zwischen 1992 und 2021. Laut eigener Aussage soll der Einsamkeitsbarometer 2024:

  • “repräsentative Aussagen zur Entwicklung der Prävalenz von Einsamkeit in der erwachsenen deutschen Bevölkerung über die Zeit ermöglichen,
  • vulnerable Gruppen und Risikofaktoren identifizieren,
  • Veränderungen und Trends in den Einsamkeitsbelastungen unterschiedlicher Gruppen aufzeigen sowie
  • eine internationale Vergleichbarkeit der Daten im Zeitverlauf gewährleisten” (S. 9).

 

Was zeigen die Ergebnisse?

Der gesamte Einsamkeitsbarometer umfasst 80 Seiten (der statistische Anhang ist nicht mitgerechnet), ein paar der zentralen Ergebnisse sind folgende:

  1. Langzeitentwicklung von Einsamkeitsbelastungen: Nach einem starken Anstieg der Einsamkeit im ersten Pandemiejahr 2020 zeichnet sich für 2021 eine Rückkehr auf das Niveau vor der Pandemie ab. Dennoch bleiben die Einsamkeitsraten höher als im Jahr 2017. Besonders betroffen sind ältere Menschen über 75 Jahre und junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren. Frauen sind generell stärker von Einsamkeit betroffen als Männer, und dieser Unterschied hat sich durch die Pandemie noch verstärkt.
  2. Lebenslagen von Menschen mit erhöhter Einsamkeit: Einsamkeit schadet der physischen und psychischen Gesundheit. Besonders betroffen sind Arbeitslose, wobei sich die Unterschiede zwischen Erwerbstätigen und Arbeitslosen während der Pandemie deutlich verringert haben. Auch Alleinerziehende, pflegende Angehörige und Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung sind besonders belastet.
  3. Resilienzquellen gegen Einsamkeit: Teilhabe und soziale Bindungen: es gibt auch gute Nachrichten: Die Qualität der sozialen Beziehungen und die gesellschaftliche Teilhabe sind in Deutschland stabil und hoch. Besuche bei Familie und Freunden blieben auch während der Pandemie häufig. Auch die Bildung spielt eine wichtige Rolle: Höher gebildete Menschen sind weniger von Einsamkeit betroffen.
  4. Regionale und raumbezogene Aspekte von Einsamkeit: Einsamkeit unterscheidet sich kaum zwischen West- und Ostdeutschland oder zwischen Stadt- und Landbewohnern.
  5. Einsamkeit und Demokratie: Menschen, die sich einsam fühlen, haben weniger Vertrauen in politische Institutionen und interessieren sich weniger für Politik. Sie neigen auch eher zu Verschwörungstheorien und beteiligen sich weniger an Wahlen.

 

Und nun, was tun? Handlungsempfehlungen der Bundesregierung

Im Einsamkeitsbarometer wird Einsamkeit als “ressortübergreifende Herausforderung” betrachtet. Erste Handlungsimplikationen gehen in folgende Richtung (kleine Auswahl):

  • Berücksichtigung aller Altersgruppen: Einsamkeit betrifft Menschen jeden Alters. Maßnahmen sollten daher alle Altersgruppen berücksichtigen.
  • Genderpolitik: Einsamkeit ist auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit. Frauen sind häufiger betroffen, daher sind geschlechtersensible Maßnahmen notwendig.
  • Gesundheitsvorsorge: Soziale Bindungen sind wichtig für die Gesundheit. Einsamkeitsprävention sollte Teil der Gesundheitsvorsorge sein.
  • Armut und Arbeitsmarkt: Einsamkeit steht in engem Zusammenhang mit Armut. Maßnahmen gegen Einsamkeit sollten daher auch in die Arbeitsmarkt- und Armutspolitik integriert werden.
  • Care-Arbeit: Menschen, die Care-Arbeit leisten (z.B. Alleinerziehende, Pflegende), sind besonders betroffen. Hier ist eine Vernetzung von Familien-, Gleichstellungs- und Einsamkeitspolitik notwendig.
  • Bildung: Bildung ist ein wichtiger Schutzfaktor vor Einsamkeit. Aufklärungsarbeit sollte insbesondere auch Menschen mit niedrigem Bildungsniveau erreichen.

 

 

🔎 Aus der Forschung: Facetten und Folgen von Einsamkeit

Was ist Einsamkeit überhaupt – und was nicht?

In dem Einsamkeitsbarometer wird Einsamkeit in Anlehnung an Perlman & Peplau (1981) definiert als „unangenehme Erfahrung, bei der die eigenen sozialen Beziehungen entweder quantitativ oder qualitativ als unzureichend empfunden werden“ (S. 13).

Und weiter: “Es handelt sich hierbei also um eine subjektive Wahrnehmung der betroffenen Personen. Einsamkeit entsteht in der Diskrepanz zwischen den Erwartungen an soziale Beziehungen und den tatsächlich vorhandenen Beziehungen. Darüber hinaus kann sich der empfundene Mangel sowohl auf die Anzahl an sozialen Kontakten (Quantität) als auch auf deren Qualität beziehen“ (S. 13).

Wichtig ist der Hinweis von Rauchfleisch in seinem Buch Einsamkeit – Die Herausforderung unserer Zeit: „Einsamkeit ist zwar ein Gefühl, das wir individuell erleben und erleiden. Ihm liegen jedoch neben individuellen auch gesellschaftliche und sogar globale Ursachen zugrunde“ (S. 8).

Einsamkeit ist…

  • nicht: soziale Isolation. Einsamkeit abzugrenzen von sozialer Isolation: “Mit sozialer Isolation wird der objektive Zustand des Alleinseins beschrieben, während, wie oben dargestellt, Einsamkeit das subjektive Erleben betrifft. Die Erfassung von Einsamkeit basiert meist auf Selbstauskünften der betreffenden Personen, während die soziale Isolation als eher objektives Konstrukt leichter messbar ist” (Rauchfleisch, 2024, S. 11).
  • nicht: allein-Sein. „Ebenfalls ist zu unterscheiden zwischen „Allein-Sein“ und „Sicheinsam-Fühlen“. Im Alltagssprachgebrauch werden diese beiden Begriffe zwar häufig synonym verwendet, sie bezeichnen jedoch nicht dasselbe. Während Einsamkeit das beschriebene subjektive Gefühl betrifft, ist „Allein-Sein“ ein objektiv sichtbarer Zustand. Beides tritt zwar häufig zusammen auf, ist aber nicht notwendigerweise miteinander verknüpft“ (Rauchfleisch, 2024, S. 12).

 

Facetten von Einsamkeit

Einsamkeit kann individuelle, gesellschaftliche und globale Ursachen haben. Zudem ist es wertvoll, die unterschiedlichen Facette von Einsamkeit zu differenzieren. Luhmann & Bücker (2019) beschreiben drei Ausprägungen: emotionale, soziale und kollektive Einsamkeit (S. 5):

  • Emotionale Einsamkeit (auch: intime Einsamkeit), beschreibt einen Mangel einer sehr engen, intimen Beziehung, wie sie zum Beispiel in Paarbeziehungen zu finden ist.
  • Soziale Einsamkeit, auch relationale Einsamkeit genannt, bezieht sich auf denMangel von Freundschaften und weiteren persönlichen Beziehungen.
  • Kollektive Einsamkeit umfasst ein Gefühl der fehlenden Zugehörigkeit zu einer größeren Gemeinschaft oder zur Gesellschaft.

 

 

Folgen von Einsamkeit

Lange Zeit ging man davon aus, dass Einsamkeitsgefühle psychisch belastend sind. Dass aber auch körperliche Erkrankungen die Folge sein können, wurde nicht beachtet. Bahnbrechend war in dieser Hinsicht eine Veröffentlichung von House et al. (1988), die in der renommierten Zeitschrift Science über die Ergebnisse ihrer Studie Social Relationships and Health berichteten. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass länger andauernde Einsamkeit zu einem signifikanten Anstieg von Morbidität und Mortalität führt.

Kurz gesagt: Wer einsam ist, wird häufiger krank und stirbt deutlich früher.

Psychische und körperliche Erkrankungen gehen hierbei oft Hand in Hand. Die folgende Auswahl von Aspekten in Anlehnung an Rauchfleisch ist ein Versuch, die Folgen besser greifen zu können.

  • Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Suchtentwicklung: Gerade bei Depressionen besteht häufig die Problematik, dass die Depression nicht nur eine Folge der erlebten Einsamkeit ist, sondern ihrerseits oft zu einem weiteren Rückzug aus sozialen Kontakten führt. Ähnliches gilt in vielen Fällen für Suchtkranke.
  • Bedrückende Empfindungen wie Scham- und Schuldgefühle, Leeregefühle, Angst vor Nähe: Gerade Scham gilt als eines der unangenehmsten Gefühle, das durch die Erfahrung der eigenen Unzulänglichkeit gekennzeichnet ist. “Während es bei der Scham um Selbstablehnung und eine zentrale Infragestellung der eigenen Person geht, entstehen Schuldgefühle, wenn eine Person die von außen oder von sich selbst gesetzten Ziele und Erwartungen nicht erfüllt” (S. 109). Auf den Punkt gebracht: Schuld bedeutet “Ich habe etwas falsch gemacht”, während Scham bedeutet “Ich bin selbst falsch”.
  • Verheimlichungsstress (“minority stress”): In Anlehnung Mayer (2003) wird diese Art von Stress von Menschen erlebt, die sich schämen, einer Gruppe anzugehören, die von ihrem Umfeld abgelehnt wird, wie z.B. von Armut betroffene oder homosexuelle Menschen. Sie versuchen daher, Merkmale, die darauf hinweisen könnten, zu verbergen.
  • Gesellschaftliche Auswirkungen wie die forcierte Suche nach Kontakten: Auch wenn es von außen als vermeintlich gute Strategie wahrgenommen wird, kann in einem solchen Fall von Hyperaktivität nicht von einem konstruktiven Versuch gesprochen werden, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und zu pflegen. Vielmehr handelt es sich um einen erzwungenen Weg, um jeden Preis (irgendeinen) Kontakt zu anderen Menschen herzustellen.
  • Körperliche Erkrankungen: In einem Bericht vom Institut der Deutschen Wirtschaft (2019) werden die gesundheitlichen Folgen basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen klar benannt: “Neben den direkten negativen Gefühlen und dem persönlichen Leid für die Betroffenen, erhöht sich durch Einsamkeit das Risiko gesundheitlicher Nachteile: Einsamkeit führt in einem vergleichbaren Ausmaß wie Tabakkonsum zu früherer Mortalität. Sie steht in Zusammenhang mit einem höheren Risiko von Inaktivität, Rauchen oder risikobehaftetem Verhalten, Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie einer höheren Anfälligkeit für Depressionen. Einsame Menschen leiden häufiger unter einem geringen Selbstwertgefühl, Schlafproblemen sowie Stress und haben ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken“ (S. 3; ausführliche Quellenangaben im Originaltext).

Zudem können sich die Folgen von Einsamkeit auch finanziell äußerst negativ bemerkbar machen, wie Bücker (2021) beschreibt: “Während vorübergehende Einsamkeit durchaus als normale menschliche Erfahrung beschrieben werden kann, hat chronische Einsamkeit gravierende negative Konsequenzen für die Gesundheit und die Lebenserwartung. Fulton und Jupp (2015) schätzten die Gesamtkosten für chronische Einsamkeit mittelfristig (15 Jahre) auf etwa £12.000 pro Person im Vergleich zu Personen, die nicht einsam sind. Etwa 40% der geschätzten Kosten traten innerhalb der ersten 5 Jahren in der chronischen Einsamkeit auf und etwa 20% der geschätzten Kosten waren mit der stationären Pflege verbunden” (S. 5).

 

 

🚀 Meaning Matters: eine Einordnung der Erkenntnisse zu Einsamkeit

1. Einsamkeit betrifft uns alle!

Selbst wenn wir zu den Glücklichen gehören, die nicht einsam sind: die Folgen von Einsamkeit gehen uns alle etwas an. Gesellschaftliche Spannungen wie die Schere zwischen Arm und Reich, politische Auswirkungen wie die Verbreitung von Verschwörungstheorien oder die erhöhten Belastungen für das Gesundheitssystem betreffen uns alle. Es ist an der Zeit zu handeln!

Und wenn wir zu denen gehören, die sich einsam fühlen? Dann sind wir in guter Gesellschaft. Allein die Erkenntnis, dass wir nicht die einzigen sind, die sich einsam fühlen, kann helfen, etwas besser mit der Situation klarzukommen. Möglicherweise gibt es eine Person, der wir uns anvertrauen können oder ein Projekt, bei dem wir uns engagieren können.

2. Die Chancen von Einsamkeit

Frankl betonte immer wieder, dass Menschen selbst in den schwierigsten Situationen einen tieferen Sinn finden können. Einsamkeit können wir als Chance sehen, um uns mit den eigenen Werten und Zielen auseinanderzusetzen. Einsamkeit kann so auch in eine Phase der Selbstreflexion und des Wachstums verwandelt werden. Zudem lehrte Frankl, dass jeder Mensch die Freiheit hat, seine Haltung zu den Gegebenheiten des Lebens zu wählen. Auch wenn Einsamkeit oft als äußerer Zustand empfunden wird, haben wir die Freiheit, unsere Einstellung dazu zu wählen. Wir können uns entscheiden, die Einsamkeit als vorübergehende Phase zu akzeptieren und bewusst nach Wegen zu suchen, um daraus hervorzukommen.

3. Die verborgene Seite von Einsamkeit

Über lange Zeit wurde Einsamkeit vor allem in der Philosophie diskutiert, hier vor allem als schöpferischer Zustand, von dem auch viele Künstler berichtet haben. Diese Auffassung wurde von dem Interesse der Soziologen und Psychologen im 20. Jahrhundert durch ein eher negativ geprägtes Bild abgelöst. Doch kann Einsamkeit auch etwas Gutes haben? Die Auszeit allein in der Natur, der ruhige Tag zuhause (auch mal ohne Partner und Kinder), die Stille während eines Spaziergangs allein, …? Damit sind wir beim Stichwort: für mich sind diese Aspekte Fälle von “alleinsein”, also frei gewählt — und damit abzugrenzen von Einsamkeit. Selbst in die Stille zu gehen, sich bewusst zurückzuziehen, kann unglaublich heilsam sein und kreative Prozesse fördern, aber eben nur dann, wenn wir es freiwillig tun.

 

What to do? Erste Ideen

Individuelle Ansätze

  • Einsamkeit akzeptieren: If you can feel it, you can heal it. So paradox es klingt und so schmerzhaft es auch sein mag: das Gefühl der Einsamkeit anzunehmen, ist der erste Schritt, um besser damit umzugehen. Nur so können wir anfangen, nach Wegen zur Lösung zu finden.
  • Sich “common humanity” bewusst machen: Wie Kristin Neff im Zusammenhang mit Selbstmitgefühl immer wieder zeigt, ist viel gewonnen, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nicht die Einzigen sind, die solche Gefühle haben. Im Gegenteil: Es macht uns gerade zu Menschen und verbindet uns mit anderen.

Zwischenmenschliche Ansätze

  • Präsent sein und zuhören: Wann immer es möglich ist: Schenke jemand anderem etwas von deiner Zeit und deiner Aufmerksamkeit. Das kann Wunder wirken. Hier setzt auch die Dyadenpraxis auf Basis der Forschung von Prof. Tania Singer an: nachweislich kann das 10-wöchige Programm, in dem Teilnehmende jeden Tag 15 min. bewusstes Mitteilen und Zuhören üben, dazu führen, dass Gefühle von Einsamkeit und Angst reduziert, Resilienz hingegen gesteigert wird.
  • Sich sozial engagieren: gemeinsam mit anderen für eine Sache einzutreten oder Projekte voranzutreiben, kann das Gefühl der Einsamkeit schnell verringern. Zudem hilft es, sich über ein Thema zu vernetzen. Über Ehrenamtsplattformen und Apps können Projekte auch stadtspezifisch gesucht und gefunden werden.

Gesellschaftliche Ansätze

  • Förderung von Forschung: Weitere Unterstützung zur Förderung von wissenschaftlichen Erkenntnissen rund um Einsamkeit. Dazu gehört auch die regelmäßige Fortführung des Einsamkeitsbarometers zur Erfassung des aktuellen Stands und der langzeitlichen Entwicklung.
  • Aktionswoche Gemeinsam aus der Einsamkeit: Vom 17. bis 23. Juni 2024 findet die Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ statt. Dieses Jahr findet bereits die zweite Aktionswoche dieser Art statt. Sie soll für das Thema Einsamkeit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sensibilisieren und Unterstützungsangebote in ganz Deutschland sichtbar machen. In verschiedenen Formaten werden Begegnungsorte geschaffen und sichtbar gemacht. Damit soll das Thema der Einsamkeit enttabuisiert, Menschen zusammengebracht und ihnen Unterstützungsangebote aufgezeigt werden.

McKinsey und spirituelle Gesundheit? Ja, eine große Studie – aber das haben sie nicht berücksichtigt

Ich werde sehr hellhörig, wenn sich krasse Gegensätze im Arbeitskontext auftun, so wie die News einer internationalen Unternehmensberatung mit dem Fokus auf spiritueller Gesundheit.

Ich meine, McKinsey und Sinn im Leben… echt jetzt?

Und dann werde ich neugierig, weil ich es selbst liebe, Ungewöhnliches zu verbinden (nicht umsonst halte ich zum wiederholten Mal mein Seminar zu Werte- und Sinnorientierung in der Wirtschafts- und Arbeitswelt). Vielleicht stimme ich nicht mit allem überein, aber in meistens gibt es in diesen Spannungsfeldern etwas zu entdecken.

So auch in diesem Fall, wenn McKinsey plötzlich über mentale Gesundheit und Sinn im Leben berichtet (siehe 🔎 Aus der Praxis). Als Logotherapeutin und promovierte Betriebswirtin kann und will ich das so nicht stehen lassen und biete eine Einordnung (siehe 🚀 Meaning Matters) mit Rückbezug auf moderne Wissenschaften, eigene Erfahrungen und die Logotheapie mit Viktor Frankls Gedankengut.

Let’s read & lead!

 

IN A NUTSHELL

1. McKinsey untersucht spirituelle Gesundheit: nur eine neue Perspektive auf ein altes Thema?

McKinsey hat eine umfassende Studie zur spirituellen Gesundheit veröffentlicht, basierend auf Daten von über 41.000 Menschen aus 26 Ländern. Die Generation Z (13-24 Jahre) steht im besonderen Fokus und ist überdurchschnittlich stark vertreten. Die Ergebnisse zeigen, dass spirituelle Gesundheit – verstanden als Sinn im Leben und Verbundenheit mit etwas Größerem – eng mit mentaler, sozialer und körperlicher Gesundheit verknüpft ist.

2. Die Erkenntnisse sind kongruent mit anderen Forschungsergebnissen: Sinnerleben und Gesundheit sind eng miteinander verknüpft

Wusstest du, dass ein starkes Gefühl von Sinnhaftigkeit nicht nur dein geistiges Wohlbefinden, sondern auch deine körperliche Gesundheit fördern kann? Studien zeigen, dass Menschen, die Sinn im Leben erfahren, körperlich aktiver sind, weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben und sogar länger leben. Sinn ist also kein esoterischer Luxus, sondern essenziell für deine Gesundheit.

3. Generation Z und die Suche nach Sinn: Herausforderungen und Chancen

Die Gen Z zeigt laut der McKinsey-Studie einen signifikanten Mangel an spiritueller, mentaler und sozialer Gesundheit. Aus meiner Sicht kein Zufall: in jungen Jahren ist es oft schwer, einen klaren Lebenssinn zu finden. Doch gerade hier liegt eine große Chance: Unternehmen und andere Stakeholder können Räume schaffen, in denen (junge) Menschen reflektieren und ihren eigenen Weg zu einem sinnvollen Leben finden können.

🔎 Aus der Praxis: McKinsey’s Studie zu spiritueller Gesundheit

Worum geht’s hier eigentlich?

McKinsey hat diese Woche einen Artikel mit Ergebnissen einer Studie zum Thema spirituelle Gesundheit veröffentlicht. Der Titel: “Auf der Suche nach sich selbst und etwas Größerem: Eine Erkundung der spirituellen Gesundheit” (engl. In search of self and something bigger: A spiritual health exploration).

  • Die Studie wurde von der not-for-profit Organisation McKinsey Health Institute durchgeführt (ich wusste nicht, dass es die überhaupt gibt)
  • Die Daten wurden im Jahr 2022 mit 41.060 Probanden erhoben und sind “self-reported” (die Leute füllen also einen Fragebogen aus)
  • Die Teilnehmenden kommen aus 26 verschiedenen Ländern
  • Ein Teil der Bevölkerung, nämlich die Gen Z (Personen zwischen 13 und 24 Jahren), sind bewusst überrepräsentiert mit knapp 17.000 Personen

Rein statistisch gesehen haben wir also einen ganz guten Querschnitt durch verschiedene Nationalitäten und Altersgruppen mit einem Fokus auf der Gen Z. Allerdings bedeutet “self-reported” auch, dass es keine weiteren Messpunkte gab, also bspw. Beobachtungen oder physische Indikatoren.

So viel zum Set-Up.

 

 

Was kam dabei ‘raus?

Die Ergebnisse der Studie werden in dem Artikel so zusammengefasst:

  1. Spirituelle Gesundheit bedeutet, einen Sinn im Leben zu haben, ein Gefühl der Verbundenheit mit etwas, das größer ist als man selbst, und eine Idee von Sinn im Leben. Die Suche nach diesem Sinn ist mit einer starken mentalen, sozialen und körperlichen Gesundheit verbunden (Hinweis: insgesamt wurden diese vier Komponenten von Gesundheit in der Studie erhoben).
  2. Obwohl die Bewertung der spirituellen Gesundheit je nach Alter und Standort sehr unterschiedlich ausfällt, ergab die Studie, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten über alle Generationen hinweg angab, spirituelle Gesundheit sei für sie „etwas“ bis „extrem“ wichtig.
  3. Soziale, öffentliche und private Stakeholder können Wege finden, um Menschen dabei zu helfen, einen Raum für Reflexion und Austausch über ihr Leben zu finden. Dazu gehören auch Arbeitgebende, die den Menschen helfen wollen, einen Sinn in ihrer Arbeit zu finden.

 

Weitere Aspekte der Studie

“Spirituelle Gesundheit” ist für die meistens von uns noch schwer zu greifen und nicht leicht zu definieren. Es geht um eine Komponente, die über unser rein physisches und psychisches Wohlbefinden hinausgeht. Klar ist: Gesundheit ist mehr als das reibungslose Funktionieren unseres Körpers.

Wichtig ist hierbei, dass es nicht zwingend um das Praktizieren von religiösen Ritualen oder die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft geht, wenngleich dies ein Teil sein kann. In dem Artikel von McKinsey steht, dass spirituelle Gesundheit “nicht unbedingt mit religiösen Überzeugungen verbunden, sondern eher mit dem Sinn des eigenen Lebens, einem umfassenden Gefühl der Verbundenheit mit etwas, das größer ist als man selbst, und einem starken Gefühl der Zielstrebigkeit“.

Es scheint, dass die Gen Z (vor allem im Vergleich zu den anderen Generationen) einen großen Mangel an mentaler, sozialer und – eben auch – spiritueller Gesundheit hat. Ob das ein Zufall ist? Gleichzeitig gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen dem Erleben von “spiritueller Gesundheit” und anderen Aspekten von Gesundheit.

Will heißen: Menschen, die Sinn im Leben und ein Gefühl von Verbundenheit zu etwas Größerem als sie selbst erfahren (so die Definition von spiritueller Gesundheit), sind in Summe auch gesünder.

 

Was machen wir mit diesen Erkenntnissen?

Als Logotherapeutin und promovierte Betriebswirtin, die sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Werte und Sinn auseinandersetzt, kann ich so das nicht stehenlassen. Gerade die moderne Wissenschaft, ebenso wie Experten mit interdisziplinärem Hintergrund und auch die Logotherapie selbst helfen, diese Erkenntnisse besser und umfassender zu verankern. Deswegen die folgende Einordnung.

 

 

🚀 Meaning Matters: eine Einordnung der Studienergebnisse zu spiritueller Gesundheit

 

1. Schon Viktor Frankl wusste: die Erfahrung von Sinn und Verbundenheit fördert unsere Gesundheit.

Viktor Frankl sprach oft davon, dass eine Sinn-Leere uns Menschen krank macht (er nannte dieses Erleben auch ein “existentielles Vakuum”). Im Gegensatz dazu ist das in der Studie beschrieben Gefühl von Verbundenheit zu etwas Größerem als einem selbst genau das, was den Menschen ausmacht.

  • Selbsttranszendenz, wie von Frankl beschrieben, bezieht sich darauf, dass das Menschsein immer über sich selbst hinaus auf etwas verweist, das nicht wieder es selbst ist – sei es ein Sinn, den man verwirklicht oder die Hingabe an eine Sache oder eine andere Person.
  • Die Logotherapie betont die Selbsttranszendenz als einen wesentlichen Bestandteil der menschlichen Existenz und hebt hervor, dass wahre Erfüllung nur dann erreicht werden kann, wenn man sich über die eigenen Bedürfnisse und Interessen hinaus für etwas Größeres einsetzt.
  • Diesem Gedanken folgend ist es nur logisch, dass (auch spirituelle) Gesundheit mit dem Gefühl von Verbundenheit oder gar Selbsttranszendenz zu tun hat.

Die Erkenntnis aus der Studie, dass die Erfahrung von Sinn im Leben zu erhöhter Gesundheit beiträgt, ist also nicht neu.

Bestätigung finden wir auch von dem Medizinprofessor Tobias Esch in seinem Buch “Wofür stehen Sie morgens auf?”. Er exploriert neben der körperlichen, psychischen und sozialeben Ebene von Gesundheit auch eine vierte Ebende, nämlich die von Bedeutsamkeit und Sinn:

“In der Folge schlug ich schließlich vor, dem allgemeinen Gesundheitsverständnis, also der bisher dreidimensionalen Definition von Gesundheit, jene vierte Dimension auch formal hinzuzufügen: die spirito-kulturelle Dimension, hier zusammengefasst als die subjektive oder Bedeutungsdimension. Mit einem Augenzwinkern beschreibe ich die Gesundheit nunmehr als bio-psycho-sozio-spirito-kulturell. Unsere Forschungen bestätigen mittlerweile diesen Ansatz. (…)

In der vierten Dimension geht es nun um das Erleben von Sinnhaftigkeit und Bedeutsamkeit, beides stellvertretend für das Gefühl der Verbundenheit. Gesund wäre demnach, wer sich als kohärent und resonant mit der Welt, mit ihr auch im Inneren verbunden und stimmig fühlt.“

 

 

2. Die moderne Wissenschaft zeigt längst: Sinn ist kein Eso-Kram, sondern (über-)lebenswichtig!

Ich kann Menschen verstehen, die gerne Zahlen, Daten und Fakten sehen wollen – insbesondere dann, wenn es um scheinbar abstrakte Themen wie Sinn und spirituelle Gesundheit geht.

Das Schöne ist, dass wir diese (alten und neuen) Insights über den Zusammenhang von Gesundheit und Sinnerfahrungen jetzt auch durch moderne Forschung stützen können. Here we go.

Ein paar Beispiele aus der Wissenschaft:

  • Ein ausgeprägtes Gefühl für Sinn im Leben steht in Verbindung mit verbesserter Gesundheit und Verhaltensweisen, einschließlich erhöhter körperlicher Aktivität (Hooker & Masters, 2016), weniger Schlaganfällen (Kim et al., 2013), weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Cohen et al., 2016) und sogar einem geringerem Sterberisiko (Alimujiang et al., 2019).
  • Das Erleben von Sinn ist auch für eine gesunde psychische Funktionsfähigkeit, einschließlich des Gedächtnisses und allgemeiner kognitiver Fähigkeiten (Lewis et al., 2017), sowie für die psychische Widerstandsfähigkeit über die gesamte Lebensspanne (Feder et al., 2009) von entscheidender Bedeutung.
  • Auf der anderen Seite des Spektrums wird ein geringes Maß an Sinnerleben mit verschiedenen psychischen Störungen in Verbindung gebracht (Goodman et al., 2018).

 

3. Die Gen Z leidet unter einem besonderem Mangel an spiritueller Gesundheit – really?

Wenn, wie in der Studie geschehen, “spirituelle Gesundheit” beschrieben wird als “einen Sinn im Leben zu haben, ein Gefühl der Verbundenheit mit etwas, das größer ist als man selbst, und eine Idee von Sinn im Leben“, dann ist für mich völlig klar, dass die Gen Z sich weniger “spirituell gesund fühlt” als die anderen Generationen.

Wer wusste schon im Teenie-Alter, was ihm Sinn im Leben gibt oder wann und wie sie sich besonders zu etwas Größerem als ihr selbst verbunden fühlt? Ich bestimmt nicht. Ist nicht gerade diese Phase im Leben eine, in der Vieles (wenn nicht alles) infrage gestellt wird?

Fun Fact: schaut man genauer in die Daten, wird schnell klar, dass die drei Komponten mentale, soziale und spirituelle Gesundheit über die Bevölkerungsgruppen hinweg ansteigen. Will heißen: je älter, desto mehr weiß man, was einem Sinn im Leben gibt. Für mich recht logisch.

Dazu passt auch die neurowissenschaftliche Sicht auf drei Arten Glück, die üblicherweise mit den Lebensphasen einhergeht. Viele Menschen erleben erst mit dem Alter das, was als Glückseligkeit beschrieben wird und an Selbsttranszendenz grenzt. Mehr dazu in meinem Newsletter zum Thema Glück.

 

4. Arbeitgebende können Räume schaffen, um Sinn zu erleben – und das sollten sie auch tun!

Klar ist, dass Sinn nicht von außen verordnet kann. Das liegt auch daran, dass Sinn ein zutiefst individuelles Erleben ist.

Wenn es in der Studie nun heißt, “Soziale, öffentliche und private Stakeholder können Wege finden, um Menschen dabei zu helfen, einen Sinn und Raum zum Nachdenken über ihr Leben zu finden”, dann kann und muss ich das doppelt unterstreichen und mit Ausrufezeichen versehen.

Mehr denn je leiden heutzutage viele Menschen an einem Mangel an Sinn, wie es auch schon Viktor Frankl beschrieben hatte. Viele Klienten, mit denen ich arbeite, haben alle materiellen Bedürfnisse (über-)erfüllt und sagen mir ganz direkt “Ich fühle mich total leer, ich sehe in all dem keinen Sinn”.

Dass wir gesamtgesellschaftlich und gerade als Führungskräfte oder Arbeitgebende noch mehr Räume schaffen sollten, in denen Menschen dazu reflektieren und sich austauschen können, erscheint mir eine logische Folgerung.

Nicht umsonst habe ich dieses Jahr mit meinen zwei Co-Autoren ein Buch geschrieben, indem es darum geht, wie agile Führung nicht nur Methoden (agile doing), sondern vor allem die Entwicklung und Förderung eines wertebasierten Mindsets (agile being) umfasst. Es geht um mehr Sinnorientierung, auch und gerade in der Arbeitswelt. Wie das gelingen kann? Hier gibt’s mehr Details dazu.

 

 

Ein paar Take-Aways

Spirituelle Gesundheit verstanden als Sinn im Leben und Verbundenheit zu etwas größerem Ganzen ist ein altes Thema – und gewinnt jetzt wieder an neuer Bedeutung, gesellschaftlich und wissenschaftlich.

Unsere Gesundheit hat viele Facetten, die sich allesamt wechselseitig bedingen. Unser Wohlbefinden und unsere Resilienz sichern wir nachhaltig nur, wenn wir alle Aspekte berücksichtigen.

Möglicherweise gibt es Unterschiede zwischen Sinnerfahrungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Aber entlastend scheint auch zu sein, dass wir mit der Lebenserfahrung an Glückseligkeit und Sinnhaftigkeit im Leben gewinnen.

10 Principles for a Good Lifestyle

These principles are pretty straightforward, especially principle #10. You’ll be surprised!

  1. A good lifestyle is innovative

The possibilities for innovation are not, by any means, exhausted. Technological development is constantly offering new starting points for sustainable design to enhance people’s well-being. But an innovative lifestyle is always created in tandem with innovative technology, and can never be an end in itself.

  1. A good lifestyle empowers people

We develop a lifestyle to be applied on a daily basis. It has to satisfy certain criteria, not only functional, but also psychological and aesthetic. A good lifestyle enables people to use their potential whilst disregarding anything that could possibly detract from it.

  1. A good lifestyle is beautiful

The aesthetic quality of a lifestyle is integral to its usefulness because a lifestyle that we pursue on a daily basis affects our environment and well-being. But only a well-executed lifestyle can be beautiful.

  1. A good lifestyle makes values tangible

It clarifies the meaning of everyday life. Better still, it can make the values speak for themselves. At best, the possibilities to realize meaning reveal themselves.

  1. A good lifestyle is unobtrusive

Lifestyles fulfilling a purpose are like tools. They are neither decorative displays nor works of art. Their design should therefore be both neutral and restrained, to leave room for the person’s self-expression.

  1. A good lifestyle is honest

It does not make a person appear more innovative, efficient, creative than she really is. It does not attempt to manipulate humans by making promises that cannot be kept.

  1. A good lifestyle is constant

It avoids current trends and is geared to our actual needs. Unlike short-lived fashion hypes, it lasts many years – even in today’s throwaway society.

  1. A good lifestyle is responsible down to the last detail

Nothing must be arbitrary or left to indifference. Awareness and mindfulness in shaping our life are ultimately an expression of respect for ourselves and others.

  1. A good lifestyle is environmentally-friendly

Our lifestyle makes an important contribution to the preservation of the environment. It conserves resources and minimizes physical and visual pollution throughout the areas it affects.

  1. A good lifestyle is as little style as possible

Less, but better – because it concentrates on the essential aspects, and everyday life is not burdened with non-essentials.

Back to purity, back to simplicity.

 

 

Inspired by „10 Principles for good design“ by Dieter Rams.

© Dr. Nina Bürklin, 2023.

Bücher, die mich berührt haben

Immer wieder lerne ich so viel von anderen Menschen.

Ich bin inspiriert von großen Persönlichkeiten und entdecke neue Perspektiven mit ihren Augen.

Hier sind ein paar der Bücher, die mich und mein Leben geprägt haben.

Bücher auf Deutsch

  • Trotzdem Ja zum Leben sagen – Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager (Viktor Frankl)
  • Dankbarkeit – das Herz des Gebets (David Steindl-Rast)
  • Wie wir werden, wer wir sind: Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz (Joachim Bauer)
  • Die Überwindung der Gleichgültigkeit: Sinnfindung in einer Zeit des Wandels (Alexander Batthyány)
  • Resonanz (Hartmut Rosa)

Bücher auf Englisch

  • Synchronicity: The Inner Path of Leadership (Joseph Jaworski)
  • Wild Knowledge (Anders Indset)
  • Braving the Wilderness (Brené Brown)
  • Big Magic (Elizabeth Gilbert)
  • The Subtle Art of Not Giving a Fuck (Mark Manson)

Voices I needed to hear

Sometimes, it’s the quiet voices that we need to hear. Sometimes, we need to listen to the uncomfortable voices.

And then, there are voices that simply make you feel good.

Check out how these voices make you feel – to me it’s obvious that I needed to hear them to further grow.

TED Talks

 

10 Thesen für einen guten Lebensstil

Inspiriert von: „10 Thesen für gutes Design“ von Dieter Rams

 

Was wir von visionären Designern für’s Leben lernen können? Eine ganze Menge!

Vor allem aber, was es bedeutet, seinen Lebensstil nach bestimmten Prinzipien auszurichten.

Und die können überrasschend sein, vor allem #10.

 

1. Ein guter Lebensstil ist innovativ

Die Möglichkeiten für Innovation sind längst nicht ausgeschöpft. Die technologische Entwicklung bietet immer wieder neue Ausgangspunkte für zukunftsfähige Gestaltungskonzepte, die das Wohlbefinden des Menschen erhöhen. Dabei entsteht ein innovativer Lebensstil stets im Zusammenschluss mit innovativer Technik und ist niemals Selbstzweck.

2. Ein guter Lebensstil befähigt den Menschen

Man entwickelt einen Lebensstil, um ihn täglich anzuwenden. Er soll bestimmte Funktionen erfüllen – Primärfunktionen ebenso wie ergänzende psychologische und ästhetische Funktionen. Ein guter Lebensstil befähigt den Menschen, seine Potenziale abzurufen und lässt alles unberücksichtigt, was nicht diesem Ziel dient oder ihm gar entgegensteht.

3. Ein guter Lebensstil ist wohltuend

Die ästhetische Qualität eines Lebensstils ist integraler Aspekt seiner Brauchbarkeit. Denn ein Lebensstil, den man täglich verfolgt, prägt das persönliche Umfeld und beeinflusst das eigene Wohlbefinden. Wohltuend sein kann aber nur, was gut entwickelt / konzipiert / durchdacht ist.

4. Ein guter Lebensstil macht Werte greifbar

Er verdeutlicht auf einleuchtende Weise den Sinn des Alltags. Mehr noch: Er kann die zugrunde liegenden Werte für sich sprechen lassen. Im besten Fall zeigen sich die Möglichkeiten zur Sinnverwirklichung von selbst.

5. Ein guter Lebensstil ist unaufdringlich

Ein Lebensstil, der einen Zweck erfüllt, hat Werkzeugcharakter. Er ist weder dekoratives Zur-Schau-Stellen noch Kunstwerk. Seine Ausgestaltung sollte deshalb neutral sein, die Aktivitäten zurücktreten lassen und dem Menschen Raum zur Selbstverwirklichung geben.

6. Ein guter Lebensstil ist ehrlich

Er lässt einen Menschen nicht innovativer, leistungsfähiger, kreativer erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Es versucht nicht, die Mitmenschen durch Versprechen zu manipulieren, die er dann nicht halten kann.

7. Ein guter Lebensstil ist beständig

Er vermeidet, aktuellen Trends zu entsprechen, und orientiert sich an den tatsächlichen Bedürfnissen des Menschen. Im deutlichen Gegensatz zu kurzlebigen Mode-Hypes überdauert er auch in der heutigen Wegwerfgesellschaft lange Jahre.

8. Ein guter Lebensstil ist verantwortungsbewusst bis ins letzte Detail

Nichts darf der Willkür oder der Gleichgültigkeit überlassen werden. Bewusstsein und Achtsamkeit in der Lebensgestaltung sind letztlich Ausdruck des Respekts gegenüber sich selbst und anderen.

9. Ein guter Lebensstil ist umweltfreundlich

Der Lebensstil leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt. Er bezieht die Schonung der Ressourcen ebenso wie die Minimierung von physischer und visueller Verschmutzung in die Lebensführung ein.

10. Ein guter Lebensstil ist weniger Stil und mehr Leben

Weniger Stil ist mehr Leben, konzentriert der Lebensstil sich doch auf das Wesentliche, statt den Alltag mit Überflüssigem zu befrachten.

Zurück zum Puren, zum Einfachen!

 

© Dr. Nina Bürklin, 2020.